Radsport News Experte Peter Luttenberger zur 18. Etappe

Andy Schleck im Stil eines ganz Großen

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Peter Luttenberger | Foto: ROTH

21.07.2011  |  (rsn) - Unsere Experten beantworten nach jeder Tour-Etappe Fragen zum Rennen. Zur geschichtsträchtigen Bergankunft am Galibier am 18. Tourtag, die mit dem Solosieg von Andy Schleck (Leopard-Trek) endete, äußert sich der ehemalige Kletterspezialist Peter Luttenberger, 1996 Fünfter bei der Tour. Der Österreicher ist seit seinem Karriereende als Entwickler von Highend-Rennrädern aktiv und für die von ihm ins Leben gerufene Charity-Tour unitedworldtour.com unterwegs.

Warum war die frühe und äußerst riskante Attacke von Andy Schleck von Erfolg gekrönt?

Luttenberger: Die heutige Etappe, die ich gemeinsam mit dem ehemaligen Formel-1 Fahrer Alex Wurz verfolgt habe, war unglaublich spannend. Andy Schleck hat im Stile eines ganz Großen geglänzt.

Vier Tage vor Ende der Tour musste jeder mit Ambitionen in der Gesamtwertung sein wahren Gesicht zeigen und seine tatsächliche Form offen legen. Mit seiner äußerst mutigen, frühen Attacke, die auch sehr viel Selbstvertrauen voraussetzt, hat Andy die Konkurrenten zum Handeln gezwungen.

Bestimmt hatte Andy von der Sportlichen Leitung erfahren, dass Contador sich bereits am ersten Anstieg im hinteren Teil des Feldes aufhielt und Schwächen zeigte. Nach seiner Attacke mussten die Top-Fahrer handeln und schickten zuerst ihre Helfer nach vorne, um Tempo zu machen. Diese waren aber keine wirklichen Tempobolzer und in kürzester Zeit verbraucht.

So blieb den Kapitänen nichts anderes übrig, als selbst zu führen. Dass sich Leader in einer solchen Situation einig sind, ist meist unwahrscheinlich. Und so konnte Andy seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen.

Mit diesem genialen Schachzug von Leopard-Trek musste Fränk Schleck nicht arbeiten, konnte sich quasi ins Ziel chauffieren lassen und hatte am Ende noch Kraft für eine Attacke.

Dieser Sieg über Contador und Saxo Bank war sicher eine große Genugtuung für Andy und sein Team. Schließlich hatte Bjarne Riis ihn und Stuart O`Grady mit dem Rauswurf 2010 bei der Vuelta öffentlich gedemütigt.

Nun heißt es regenerieren und sich für die morgige kurze, aber giftige Etappe bereit machen. Vor allem Evans, der heute die größte Verantwortung übernahm, liegt in Lauerstellung und möchte vor dem Zeitfahren am Samstag so wenig Zeit wie möglich verlieren. Er bleibt weiterhin ein heißer Anwärter auf den Tour-Sieg.

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